Interview #FFM20
mit Veronika Riederle

Gründerin und CEO bei Demodesk

FFM-Team: Du hast lange im Beratungssektor gearbeitet, aber auch Erfahrung bei Outfittery gesammelt. Was hat dich dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen, und was macht ihr bei Demodesk?

 

Veronika: Mir war eigentlich schon vor der Zeit im Beratungssektor klar, dass ich ein Software-Unternehmen mit aufbauen möchte – ob als Gründerin oder frühe Mitarbeiterin. Mir gibt es superviel Energie, Dinge zu erschaffen, und Software ist für mich die spannendste Branche.

 

Ich habe dann meinen Mitgründer kennengelernt, der die Idee hatte, eine neue Art des Screen Sharing zu entwickeln. Mit unserem intelligenten Meetingtool für die Interaktion mit Kunden helfen wir Unternehmen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Unsere Lösung ist vollkommen webbasiert und ermöglicht es, über ein virtuelles Display gezielt Inhalte mit jemandem zu teilen.

FFM-Team: Ihr habt kürzlich erfolgreich Kapital angesammelt: Wie war hier der Prozess und wie stellst du eure Gründungsidee potenziellen Investoren vor?

 

Veronika: Genau, wir haben schon vor einiger Zeit eine Finanzierungsrunde geschafft. Wir waren Anfang Januar bis März 2019 Teil des Y Combinator im Silicon Valley und haben direkt im Anschluss unsere Seed-Runde gemacht. Das war sicherlich ein spezieller Fall, denn beim Demo Day des Y Combinator präsentierst du vor fast allen relevanten Investoren aus dem Valley. Der Prozess ist also wirklich fokussiert und bietet dir eine große Chance. Bei seinem Pitch sollte man sich auf die drei wichtigsten Messages konzentrieren. Mehr nimmt niemand mit – auch in anderen Gesprächen. In unserem Fall haben wir den Fokus auf unsere einzigartige Screen Sharing Technologie, das Marktpotenzial und unsere Traction, also gewonnenen Kunden, gelegt.

FFM-Team: Du hast gerade schon kurz über den Y Combinator gesprochen. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen und würdest du anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, sich zu bewerben?

 

Veronika: Ich würde es zu 100 Prozent weiterempfehlen. Es ist aus meiner Sicht der hilfreichste Akzelerator weltweit, wenn man für den US-Markt bereit ist. Man lernt in der Zeit, sich zu fokussieren und gewinnt ein tolles Netzwerk an potenziellen Kunden und Investoren. Das Y Combinator Branding hilft auch bei der Neukundenakquise und beim Recruiting.

FFM-Team: Startup-Gründerinnen wie du sind in Deutschland noch eine Seltenheit – ihr Anteil liegt aktuell nur bei 16 %. Was sind für dich die größten Herausforderungen für Frauen im Startup-Bereich?

 

Veronika: Ich vermute, dass Frauen häufiger dazu neigen, sich zu unterschätzen und risikoaverser als Männer sind. Dabei kommunizieren sie zum Teil auch vorsichtiger. Außerdem gibt es weniger Frauen mit einem Hintergrund im Technologie- und MINT-Bereich. Auch das Thema Familie spielt sicherlich eine Rolle: Viele gründen ihr Startup mit Ende 20 und das fällt häufig mit der Familienplanung zusammen. Als Mutter weiß ich, dass das klappen kann, aber eben auch eine Herausforderung ist.

FFM-Team: Was würdest du dir für das deutsche Startup-Ökosystem wünschen?

 

Veronika: Ich wünsche mir mehr Risikobereitschaft, und dass in Deutschland häufiger groß gedacht wird. Während man in Deutschland oft sehr vorsichtig ist, interessiert Amerikaner vor allem die Größe des potenziellen Markts. Insgesamt braucht es aber auch eine höhere Akzeptanz fürs Scheitern – gerade in frühen Phasen. Hier müssen bessere Netzwerke und mehr Zugänge zu Kapital entstehen.