Interview #FFM20
mit Lisa Gradow

Gründerin und CMO bei Usercentrics

FFM-Team: Erzähl doch kurz: Wie ist bei dir der Entschluss entstanden, ein Unternehmen zu gründen?

 

Lisa: Das erste Mal habe ich eigentlich schon mit 17 Jahren gegründet – eher intuitiv und ohne so richtig zu wissen, was ich da mache. Ich hatte die Idee, T-Shirts mit politischen Statements in einer Wahlkampfsaison über einen Onlineshop zu verkaufen. Danach kamen die Leute auf mich zu und meinten, du bist ja jetzt eine Gründerin. Und dann habe ich das während meines Studiums immer wieder gemacht und verschiedene Sachen probiert. In dieser Zeit habe ich mir viel selbst beigebracht und auch Informatik-Kurse an der Uni belegt. Das war neben Jura sehr zeitaufwendig, aber vor allem für mich anfangs sehr abstrakt. Doch es war gut zu sehen, wie viel Zeilen Code hinter einem Button oder einer ganzen Anwendung stecken. Eine passionierte Coderin bin ich nicht geworden, aber mein grundsätzliches Verständnis für das Programmieren hilft mir, unser Produkt, das Tech Team und die Wertschöpfung einzuordnen, Kunden und Investoren zu erklären und auch wertzuschätzen.

FFM-Team: Wie hat sich euer Unternehmen entwickelt und was genau macht ihr bei Usercentrics?

 

Lisa: Unsere Idee war es, Unternehmen im Zuge der Einführung der DSGVO zu helfen, das Einwilligungsmanagement auf ihren Webseiten praktikabel zu machen. Der große Vorteil unserer Software-Lösung ist, dass sie sehr flexibel ist und auf jeder Webseite anders aussehen kann. Der Markt für Consent Management-Plattformen ist insgesamt noch jung und es ist sehr spannend, hier First Mover zu sein. Usercentrics gibt es jetzt seit 2 Jahren und wir sind gerade in den letzten Monaten noch einmal stark gewachsen. Aktuell haben wir 45 Beschäftigte sowie 2 erfolgreiche Finanzierungsrunden hinter uns – die dritte bereiten wir vor. Außerdem starten wir mit dem Markteintritt in den USA, da dort Anfang des Jahres eine neue Gesetzgebung in Kraft getreten ist.

FFM-Team: Wenn wir nun einen Schritt zurücktreten, fällt auf, dass der Anteil der Startup-Gründerinnen nach wie vor bei nur 16 % liegt und gerade im Bereich SaaS noch kleiner ist. Woran liegt das deiner Einschätzung nach?

 

Lisa: Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass Frauen sich das häufig einfach nicht zutrauen. Hier braucht es mehr Vorbilder und ein Umfeld, das Frauen stärkt.

 

Gründen ist erstmal für viele abstrakt und wird erst durch Erfahrungen greifbar. Gerade im Bereich SaaS fehlen Frauen vielleicht auch einfach die Berührungspunkte: Man weiß gar nicht, dass diese Welt existiert. Es wird so ja nicht an Universitäten gelehrt. Hier brauchen wir mehr Bildung und Awareness – und auf jeden Fall auch mehr Networking.

FFM-Team: Und abschließend:
Welche Tipps würdest du anderen Gründerinnen geben?

 

Lisa: Ganz wichtig ist es, dass man als Gründerin weiß, wo man hin möchte und das auch deutlich nach außen kommuniziert. Für den langfristigen Erfolg sind natürlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter superwichtig. Das heißt im ersten Schritt, sich sehr genau zu überlegen, wen man einstellt und dann im Arbeitsalltag alle mitzunehmen und gut zu kommunizieren. Aber auch als Gründerin dankbar dafür zu sein, dass die Leute diese Reise mit einem gehen. Wir legen viel Wert darauf, dass alle im Team glücklich sind. Deswegen haben wir gleich zu Anfang eine Chief Happiness Officerin installiert, die Coachings anbietet und auch noch andere Angebote wie Yoga oder gesund Kochen organisiert. Es ist superwichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu halten – nicht nur für die Atmosphäre, sondern auch für die Produktivität. Und idealerweise baut man die Strukturen in der Firma so, dass das Tagesgeschäft auch ohne einen selbst gut funktioniert.