Interview #FFM19
mit Verena Pausder

Gründerin und CEO bei Fox & Sheep

FFM-Team: Verena, du wirst oft als Paradebeispiel einer erfolgreichen Gründerin, Mutter und Frau eines ebenso erfolgreichen Gründer-Ehemanns aufgeführt. Wie siehst du dich selbst in dieser Rolle? Nervt dich die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wird deinem Mann diese Frage auch gestellt?

 

Verena: Mich nervt die Frage gar nicht. Ich finde es sehr wichtig, darüber zu sprechen! Sonst wird es schwer, jungen Frauen zu vermitteln, dass Gründerszene und Familie zusammen funktionieren. Aus meiner Sicht herrscht hier eine enorme Vorsichtshaltung: Frauen sammeln zuerst Berufserfahrung, legen Geld zur Seite und entscheiden sich dann entweder für die Familie oder die Unternehmensgründung. Beides miteinander zu verbinden ist eher die Ausnahme als die Regel. Mir ist wichtig zu vermitteln, dass man sich im eigenen Unternehmen besser selbst organisieren und die richtigen Rahmenbedingungen und nötige Flexibilität schaffen kann.
Was meinen Mann angeht: Nein, der wird dazu nicht befragt. Er ist der größere Feminist von uns beiden und trotzdem gibt es über ihn sogar ganzseitige Portraits, in denen unsere Kinder gar kein Thema sind. Es ist schade, dass er nicht stärker als Role Model für andere Gründer fungieren kann und damit zeigt: auch als Mann ist es möglich, zu gründen und sich gleichzeitig um seine Familie zu kümmern.

FFM-Team: Glaubst du, dass dein Mann eine Ausnahme darstellt?

 

Verena: Nein, das wird immer normaler. Und Frauen können vom Spagat zwischen Familie und Beruf nur befreit werden, wenn es mehr Vorbild-Väter gibt und das thematisiert wird – jeder Mann, der mehr macht, entlastet eine Frau.

FFM-Team: Aus der Studie geht hervor, dass Mütter knapp sechs Stunden weniger arbeiten als Gründerinnen ohne Kinder. Denkst du, von Müttern gegründete Startups leiden darunter?


Verena:
Nein. Diese Woche sind meine Kinder beispielsweise nicht zu Hause, was dazu führt, dass ich jeden Tag bis 22 Uhr gearbeitet habe und nicht wie normalerweise bis 18 Uhr. Aber habe ich mehr geschafft? Nein. Ich war mit Open End nicht so effizient wie sonst. Frauen mit Kind sind wahnsinnig effizient, denn sie takten ihren Tag konsequent durch und wissen zu jeder Zeit, wo ihre Prioritäten liegen. Ich glaube also nicht, dass das ein Wettbewerbsnachteil ist. Im Gegenteil: Etwas Abstand und ein frischer Blick auf die Dinge ist ein absoluter Mehrwert für ein Startup.

FFM-Team: Glaubst du, dass sich auch auf der strukturellen, politischen Seite etwas ändern muss?


Verena:
Hier muss sich definitiv etwas ändern und ich habe zwei konkrete Wünsche. Erstens an die Politik: Es wäre wichtig, Elterngeld nicht nur zu bekommen, wenn man sich entscheidet, zu Hause zu bleiben. Stattdessen sollte man es auch für eine gewisse Zeit dafür nutzen können, die Betreuung des Kindes zu Hause zu organisieren, während man wieder arbeiten geht. Das führt nämlich dazu, dass Frauen früher zurück in ihren Job können und gleichzeitig ihr Kind im ersten Jahr zu Hause betreuen lassen können. Die zweite Sache richtet sich an die Unternehmen: Wenn eine Frau in unserem Unternehmen aus der Elternzeit nach unter einem Jahr zurückkehrt, zahlen wir ein Jahr lang bedingungs-los ihr Vollzeitgehalt – auch wenn sie während dieses Jahres weniger arbeitet. Davon erhoffe ich mir, dass Frauen früher zurückkommen und sich mehr als Teilzeit zutrauen. Denn sie haben erlebt, wie es ist, weiterhin das volle Gehalt zu bekommen und zu wissen, dass das Kind auch ohne sie gut betreut ist.