Interview #FFM20
mit Michelle Skodowski

Gründerin und COO bei Botfriends

FFM-Team: Wie ist bei dir der Entschluss entstanden, ein Unternehmen zu gründen?

 

Michelle: Meine Mitgründer und ich haben uns über Austauschprogramme an der Hochschule kennengelernt. Nachdem wir alle Praktika in großen Unternehmen durchlaufen hatten, war uns klar, dass wir einfach mehr Geschwindigkeit und mehr Freiheit wollen. Wir haben dann zusammen eine Projektarbeit über Bots sowie die Technologie dahinter geschrieben und sind auf dieser Grundlage an die Gründung unseres Startups Botfriends herangegangen.

FFM-Team: Wie hat sich euer Startup entwickelt und was genau macht ihr bei Botfriends?

 

Michelle: Wir haben Botfriends in unserem letzten Studienjahr als reines Projekt-Unternehmen ohne eigenes Produkt gegründet. Dadurch hatten wir genügend Zeit, um den Markt kennenzulernen, erste große Kunden wie Porsche zu gewinnen und zu überlegen, wie unsere eigene Chatbot-Lösung aussehen soll. Seit Mitte 2019 arbeiten wir an der Entwicklung unseres Produkts. Im Mittelpunkt steht gerade die Realisierung einer eigenen Chatbot-Lösung und die Überführung unserer bestehenden Kunden auf unser Produkt. In den nächsten Monaten wollen wir außerdem mehr Marktanteile gewinnen. Dazu wollen wir Kapital aufnehmen und noch mehr auf die Bereiche Entwicklung und Sales setzen.

FFM-Team: Was waren die größten Herausforderungen beim Gründen?

 

Michelle: Die größte Herausforderung war es, den Mut dazu aufzubringen. Unser Professor für Unternehmensgründung war da ein wichtiger Faktor. Er war nicht nur unser Mentor, sondern hat uns sogar einen privaten Kredit gewährt, damit wir unsere GmbH gründen konnten. Das nahm uns in dieser Phase die finanziellen Sorgen und gab den letzten Anstoß.

FFM-Team: Im Startup-Bereich gibt es im Moment noch relativ wenig Gründerinnen wie dich – der Frauenanteil liegt bei etwa 16 %. Woran könnte das liegen und wie lässt sich daran etwas ändern?

 

Michelle: Meiner Erfahrung nach sind Frauen beim Gründen oft ängstlicher – gerade mit Blick auf finanzielle Verluste – und gehen weniger locker mit der generellen Unsicherheit in diesem Bereich um als Männer. Diese Sorgen nehmen zu, wenn Gründerinnen neben ihrem Unternehmen auch noch Verantwortung für ihre Familie übernehmen müssen. Um den Anteil der Gründerinnen zu erhöhen, sollte man solche Unsicherheiten beseitigen, Mütter besser unterstützen und die Vereinbarkeit mit der Familienplanung erleichtern. Es ist wichtig, dass für Männer und Frauen die gleiche Ausgangslage geschaffen wird, damit die familiäre Verantwortung besser verteilt ist.

FFM-Team: Als Gründerin im Bereich Künstliche Intelligenz bist du noch eine Seltenheit. Wie könnten mehr Frauen für KI begeistert werden?

 

Michelle: Ich kann nur von meiner Zeit in der Hochschule berichten: Da war ich als Frau mit relativ geringen Vorkenntnissen in Programmierkursen immer in der Minderheit. Frauen fühlen sich da schnell unwohl und wollen keine Fragen stellen. Da muss man sich ein dickes Fell zulegen. Frauen sollten sich in diesen Bereichen viel enger vernetzen und stärker austauschen. Tutoren-Programme, in denen man sich ausprobieren kann, halte ich hier für einen sehr guten Ansatz.