Interview #FFM20
Malin Holmberg
und Yaron Valler

Partner, Target Global und Managing General Partner, Target Global

FFM-Team: Lasst uns mit einer kurzen Vorstellung beginnen. Wo liegt euer Hauptfokus bei Target Global und was bietet ihr den Unternehmen in eurem Portfolio?

 

Yaron: Target ist ein internationales Unternehmen mit VC-Fonds für die Early Stage und Growth Stage. Mit mehr als 800 Millionen Euro AUM investieren wir innerhalb der gesamten digitalen Landschaft mit einigen Fokus-Bereichen wie E-Commerce, FinTech, Industrial Application und Software as a Service. Für uns ist es zentral, mit den Unternehmen eng zusammenzuarbeiten, besonders in den Bereichen Unternehmensentwicklung, Kapitalbildung und HR. Zwei bekannte Beispiele aus unserem Portfolio sind wefox und Delivery Hero aus Berlin.

FFM-Team: Gründerinnen sind in Deutschland wie überall noch eher selten. Was sind für euch die größten Hürden für Frauen im Startup-Sektor?

 

Malin: Erstens wirkt hier ein langfristiger kultureller Effekt: Wir erziehen unsere Kinder nach der Auffassung, dass Jungs Risiken eingehen, Mädchen auf Dates einladen und lernen müssen, mit Rückschlägen umzugehen. Im Gegensatz dazu werden Mädchen für freundliches Verhalten und gute Schulleistungen belohnt. Ein Startup zu gründen, ist eine sehr riskante Angelegenheit und das verschafft Männern einen Vorteil. Zweitens fällt die Unternehmensgründung häufig mit der Phase der Familienplanung zusammen und es ist eine große Herausforderung, beides zu bewältigen. Da Frauen häufiger die Verantwortung für die Kinder übernehmen, sind ihre Chancen im Startup-Sektor begrenzt.

 

Yaron: Eine gleichberechtigte Verteilung der familiären Verantwortung ist essenziell – nicht nur für Gründerinnen und Gründer. Für meine Frau und mich war von Anfang an klar, dass wir beide unseren Anteil beitragen. Wir beide haben zweimal pro Woche die Arbeit bereits um 15 Uhr verlassen und an einem Tag hat uns die Familie ausgeholfen.

FFM-Team: Bei der Finanzierung gibt es eine riesige Lücke zwischen Frauen und Männern. Besonders Geld von VCs ist für Gründerinnen schwer zu bekommen. Wie sind eure Erfahrungen?

 

Malin: Wegen der geringen Zahl an Gründerinnen bekommen wir als Investoren nur wenige Unternehmen zu sehen, die von Frauen geführt werden. Statistiken zeigen aber auch, dass die von Frauen geforderten Geldsummen häufig niedriger sind und sie es schwerer haben, das Funding zu erhalten, das sie brauchen. Deswegen benötigen wir mehr progressive Investmentfirmen, mehr Diversität und mehr Frauen in diesem Feld. Zurzeit wird der VC-Sektor von Männern dominiert und Menschen tendieren eben dazu, in Menschen zu investieren, die ihnen ähnlich sind.

FFM-Team: Wie ihr erwähnt habt, gibt es im VC-Sektor wenige Frauen. Bei Target Global ist das anders. Wie kommt’s? 

 

Malin: Die Diversität bei Target ist sehr hoch und das gilt auch für die Geschlechterverteilung – wir haben derzeit den gleichen Anteil von Männern und Frauen in unserem Investment-Team. So viele unterschiedliche Perspektiven in einem Team zu vereinen, hilft uns enorm, die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.

 

Yaron: Wichtig ist, dass wir das nicht auf Basis von Vorgaben machen. Wir achten ausschließlich auf Qualifikationen und Werte, um die besten Leute zu bekommen. Das zahlt sich aus und führt zu einem starken und diversen Team. In der Bevölkerung gibt es 51 % Frauen und 49 % Männer und diese Verteilung sollte sich auch in allen Unternehmen widerspiegeln.

FFM-Team: Was sind eure Wünsche für das Startup-Ökosystem, besonders in Hinblick auf die Unterstützung von Gründerinnen?

 

Malin: Es gibt eine steigende Anzahl von Netzwerken für Gründerinnen, was sehr wichtig ist. Ich hoffe, dass mehr und mehr Firmen erkennen, wie hilfreich Diversität für sie ist. Außerdem denke ich, dass institutionelle Investoren wie Pensions-Fonds mehr Druck ausüben werden und auch sollten, wenn es um Diversität und Nachhaltigkeit geht.

 

Yaron: Und auf der unternehmerischen Seite brauchen wir mehr weibliche Tech-Gründerinnen. In der akademischen Welt sieht man schon mehr und mehr Frauen in Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und IT – ich hoffe, dass die Geschäftswelt diesem Vorbild bald folgt.