Interview #FFM20
mit Lina Behrens

Managing Director bei Flying Health

FFM-Team: Du hattest in deinen unterschiedlichen Tätigkeiten immer viel mit Innovationen im Gesundheitssektor zu tun. Erzähl doch kurz von deinen bisherigen Stationen.

 

Lina: Seit meinem Studium der Volkswirtschaftslehre in der Schweiz habe ich lange im Ausland gelebt. Zuerst war ich bei einer Unternehmensberatung in England und habe dort viele Projekte an der Schnittstelle von Gesundheit und Technologie begleitet. Nach Stationen bei einem Sozialunternehmen in London und einem Company Builder in Bogota kam ich 2018 zurück nach Deutschland. Hier wollte ich wieder im Themenfeld Innovation und Gesundheit arbeiten, habe daher bei Flying Health angefangen und bin seit Oktober 2019 auch in der Geschäftsführung.

FFM-Team: Welche Rolle spielen Startups im Gesundheitssektor und wie genau arbeitet ihr bei Flying Health mit ihnen zusammen?

 

Lina: Das deutsche Gesundheitssystem ist recht traditionell aufgestellt. Mit Flying Health wollen wir Innovation aktiv voranbringen. Dabei arbeiten wir mit verschiedenen Partnern zusammen, um Veränderungen zu ermöglichen. Konkret unterstütze ich Startups bei der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle und vernetze sie mit relevanten Ansprechpartnern. Außerdem begleiten wir die Unternehmen bei Fragestellungen zu Market Access. Wissenschaftliche Evidenz ist im Gesundheitssektor sehr wichtig – damit stellt sich zum Beispiel auch die Frage, wie klinische Studien im digitalen Bereich aussehen können.

FFM-Team: Als jemand, der viel mit Startups arbeitet, weißt du, dass es aktuell noch wenige Gründerinnen gibt. Laut unserer Studie liegt ihr Anteil bei nur 16 %. Wo siehst du die größten Herausforderungen für Frauen im Startup-Bereich?

 

Lina: Das frage ich mich auch ziemlich oft. Bei uns in der Firma sind wir viele Frauen und ich habe in meinem Berufsleben häufig mit inspirierenden Frauen in Führungspositionen zusammengearbeitet. Das ist gut, denn Vorbilder sind wichtig, damit man merkt, was man selber erreichen kann. Ich denke aber, die größte Herausforderung liegt im Bereich Finanzierung. Es ist für Gründerinnen häufig immer noch schwieriger, Finanzierungen zu erhalten, und zu oft sitzt man bei Investmentterminen nur Männern gegenüber. Doch mein Eindruck ist, dass es zumindest langsam besser wird. Inzwischen zeigen viele Studien die Vorteile von diversen Teams. Wir hatten gerade erst eine Diskussion über den Bereich FemTech, in dem der Anteil von Gründerinnen deutlich höher ist. Aber selbst hier haben Männer bisher die größeren Finanzierungen erhalten.

FFM-Team: Es gibt immer mehr Frauen, die Naturwissenschaften und Medizin studieren – in vielen Feldern haben sie die Männer zahlenmäßig bereits überholt. Wie kann man mehr von ihnen zum Gründen motivieren?

 

Lina: Grundsätzlich erscheint der weitere Karriereweg z. B. nach einem Medizinstudium relativ klar und eindeutig. Gründen ist hier ein Schritt aus dem klassischen Weg heraus. Dafür braucht es passende sowie unterstützende Rahmenbedingungen und Vorbilder. Nachdem ich zurück nach Deutschland gekommen bin, ist mir zudem aufgefallen, dass auch die Risikobereitschaft im Ausland höher ist. Um dies zu ändern, benötigen wir bereits in frühen Jahren ein Umdenken, dass es in Ordnung ist, ein Risiko einzugehen und man viel lernen kann, wenn nicht immer alles ganz rund läuft.

FFM-Team: Du selbst engagierst dich für die Stärkung von Gründerinnen als Mentorin beim Grace Accelerator. Wie sieht die Arbeit des Programms in der Praxis aus und wie engagierst du dich als Mentorin?

 

Lina: Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich beim Sommerprogramm von Grace als Mentorin dabei sein möchte – das habe ich äußerst gern gemacht. Bei dem Programm kommen Frauen, die gründen wollen, zusammen. Als Mentorinnen haben wir den Teams zur Seite gestanden und über Fragen wie Geschäftsmodelle oder Teamdynamiken gesprochen. Grundsätzlich mache ich viel Mentoring, weil ich es superwichtig finde. Gerade in der Anfangsphase der Gründung kann Mentoring helfen, neue Impulse zu bekommen, aber auch besser zu priorisieren.