Interview #FFM19
mit Jutta Steiner

Gründerin und CEO bei Parity

FFM-Team: Wie unsere Studie zeigt, gibt es vergleichsweise wenig Gründerinnen mit MINT-Hintergrund. Du bist eine von ihnen – kannst du uns kurz etwas zu deinem Hintergrund erzählen?


Jutta:
Ich komme aus dem Bereich der mathematischen Physik. Das bedeutete einerseits viel Theoretisches, abstrakt Mathematisches, aber immer mit einem konkreten physikalischen oder technischen Bezug. Mathematik anzuwenden hat mich schon immer interessiert und findet sich auch bei dem, was ich jetzt mache, wieder. Das Spannende ist, dass an der Uni Mathematik zumeist nur auf naturwissenschaftliche Probleme angewandt wurde. Aber bei Blockchain kannst du Mathematik dafür einsetzen, Koordinierungsprobleme zwischen Menschen zu beheben. Das fand ich von Anfang an sehr spannend. Diese völlig andere Art von Anwendungsbereichen hat mich sofort fasziniert – also nicht nur Statistik und reine Analytik, sondern ein konstruktiver Ansatz.

FFM-Team: Wie viele Frauen haben mit dir angefangen zu studieren? Und haben sich aus deinem Freundeskreis viele Frauen für MINT-Fächer entschieden?

 

Jutta: Im Studium war es die Minderheit, aber das schwankte damals stark, je nachdem, ob man gerade auf Lehramt oder nur Diplom studieren konnte. Also vielleicht waren es so 20%, die mit mir angefangen haben.

FFM-Team: Hat es dich abgeschreckt oder gestört, dass es einen so geringen Frauenanteil im Studium gab?

 

Jutta: Nein. Was ich aber im ersten Jahr gemerkt habe, war, dass einige Jungs, mit denen ich angefangen habe, in ihrer Schulzeit scheinbar sehr viel mehr Förderung erfahren hatten und entsprechend zu Beginn des Studiums wesentlich weiter waren. Damit hatten sie einen krassen Vorsprung, was mich nicht direkt abgeschreckt, aber schon irritiert hat – bis ich das hinterfragt habe. Inzwischen gibt es an manchen Unis Einführungskurse, die es einfacher machen sollen, einen solchen Vorsprung einzuholen. Insbesondere im Bereich Informatik/Computer Science hat sich das als erfolgreiches Angebot herausgestellt. Was ich aber als positiv empfunden habe war, dass es damals schon eine Mathematik-Professorin an meiner Uni gab. Es macht schon einen Unterschied, eine weibliche Identifikationsfigur zu haben – und wenn nur unterbewusst.

FFM-Team: Du hast eine Blockchain- Firma gegründet, ohne einen expliziten Coding-/Informatik-Hintergrund. Ist dir das jemals ein Hindernis gewesen?

 

Jutta: Ich hatte schon an der Uni programmiert, wenn auch ein wenig anders. Insofern habe ich schon ein Verständnis davon, wie Informatik und das Internet funktionieren. Ohne dieses Grundverständnis tut man sich schwer. Insgesamt ist aber immer noch das Entscheidendste, dass man etwas wirklich lernen wollen muss und sich traut, ins kalte Wasser zu springen und neue Dinge auszuprobieren. Zusätzlich nutzte ich Online-Kurse, beispielsweise zu Web-Development, die ich immer gut und hilfreich fand. Ansonsten habe ich einfach viel dazu gelesen. Es gibt mittlerweile unglaublich viele Quellen und gute Vorträge im Internet (reddit, YouTube, Medium, Twitter), die oftmals gerade in solchen neuen Bereichen kostenlos zugänglich sind.