Interview #FFM20
mit Jeannette zu Fürstenberg
und Judith Dada

Gründungspartnerin von La Famiglia
und Partnerin bei La Famiglia

FFM-Team: Ihr leitet mit La Famiglia gemeinsam einen Investmentfonds für Startups. Wo kommt ihr her und was hat euch motiviert, in diesen Bereich zu gehen?

 

Jeannette: Ich selber komme aus einem typischen deutschen Familienunternehmen aus dem Rheinland und habe deswegen sehr früh die Mittelstandslandschaft erlebt. Gerade bei meiner vorherigen Arbeit im Late-State Investmentbereich habe ich gesehen, dass sich erfolgreiche Unternehmer durch ihren einzigartigen Blick auf die Welt auszeichnen. Aus der Beiratsperspektive meines Familienunternehmens habe ich gemerkt, dass wir zu wenig Sichtbarkeit auf für uns relevante Trends haben. Daher bin ich in die Startup-Szene gegangen und habe angefangen, als Angel zu investieren und mir mein Netzwerk aufzubauen. Denn gerade für B2B-Startups ist ein Industrie-Netzwerk sehr wertvoll. Das hat mich schließlich motiviert, La Famiglia mitzugründen und Startups die nötige Visibilität in der etablierten Wirtschaft zu verschaffen.

 

Judith: Ich bin nun seit mehr als zwei Jahren bei La Famiglia an Bord. Ich habe Wirtschaft, Kommunikation sowie Technologiemanagement studiert und dabei viel an der Schnittstelle von Data Science und Sozialwissenschaften gearbeitet. Nach meinem Abschluss bin ich zu Facebook gegangen und war mit Amazon für einen der größten globalen Accounts im Data Consulting verantwortlich. Hier habe ich gesehen, wie effizient solche Unternehmen mit ihren Daten umgeht. Um Startups in diesem Feld zu unterstützen, haben wir die Facebook VC-Initiative gestartet und ich lernte viele Startups und VCs kennen – darunter auch La Famiglia und Jeannette. Ihre Vision für das europäische Ökosystem und die Art von Unternehmen, die wir kreieren müssen, fand ich unglaublich spannend. Es gibt hier wahnsinnig viel zu tun und daher habe ich mich entschlossen, Teil von La Famiglia zu werden.

FFM-Team: Startups und der VC-Sektor sind noch eine Männerdomäne. La Famiglia ist mit zwei Frauen an der Spitze eine absolute Ausnahme. Wie nehmt ihr die Szene wahr? Braucht es mehr Investorinnen?

 

Judith: Es ist sehr selten, dass Jeannette und ich in unserem Arbeitsalltag auf viele andere Investorinnen treffen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass sich etwas tut. In letzter Zeit gab es einige positive Neuigkeiten, wie zum Beispiel die Beförderung von Irina Haivas zur Partnerin bei Atomico.

 

Jeannette: Ich glaube auch, dass die Awareness für das Thema Diversität bei Kapitalgebern gestiegen ist. Das zeigt auch der Diversity Report von Atomico. Die wachsende Bedeutung gilt sowohl auf der Perfomance-Ebene, weil diverse Teams erfolgreicher sind, aber auch auf einer abstrakten Ebene: In einer zukünftig stark durch Künstliche Intelligenz geprägten Gesellschaft muss die weibliche Perspektive bei der Technologiegestaltung genauso mit einfließen.

FFM-Team: Wie unsere Studie zeigt, liegt der Anteil der Startup-Gründerinnen nach wie vor bei nur knapp 16 %. Wo seht ihr die größten Herausforderungen für Frauen in der Startup-Welt?

 

Jeannette: Hier gibt es aus meiner Sicht drei Themen: zum einen die Zusammensetzung der Teams, die meist den männlich geprägten studentischen und beruflichen Netzwerken folgt. Daneben habe ich den Eindruck, dass Frauen oft risikoaverser auftreten und sich zu oft unterschätzen. Und zum Dritten kann ich aus eigener Erfahrung als Mutter von drei Kindern sagen, wie herausfordernd es ist, die eigene Karriereentwicklung parallel zur Familienplanung voranzubringen.

FFM-Team: La Famiglia ist nicht nur ein VC, sondern vor allem auch ein Netzwerk. Wie wichtig sind die richtigen Kontakte und welche Tipps würdet ihr Gründerinnen hier mitgeben?

 

Judith: Wenn ich auf das heutige Ökosystem blicke, würde ich Gründerinnen besonders empfehlen, Netzwerke in den für sie relevanten Branchen oder Technologiefeldern aufzubauen. Hier liegt auch die Stärke von La Famiglia: Im B2B-Bereich sind Beziehungen enorm wichtig, die Startups oft fehlen. Wir bringen junge Unternehmen mit potenziellen Geschäftskunden zusammen, ermöglichen den Vertrauensaufbau und verkürzen damit den Sales Cycle.