Interview #FFM20
mit Fabiola Hochkirchen
und Bettine Schmitz

Gründerinnen von Auxxo

FFM-Team: Ihr verfügt über viel Erfahrung im Startup- sowie Investmentsektor und habt im letzten Jahr Auxxo gegründet. Wie kam es dazu und was war eure Motivation?

 

Fabiola: Wir haben Auxxo ursprünglich mit dem Wunsch gegründet, Direktinvestments auf eine „weibliche“ Art und Weise zu machen – ohne genau zu wissen, was das bedeutet. Wir kannten die Statistiken, wie gering der Anteil an Gründerinnen aber auch Investorinnen im Startup-Ökosystem ist und wollten unbedingt etwas tun und Gründerinnen mit unseren Erfahrungen unterstützen.

 

Bettine: Auch haben wir sofort gesehen, wie komplementär unsere Erfahrungen, Persönlichkeiten und Skill-Sets sind. Ich habe lange im Frühphasen-Bereich gearbeitet, unsere Mitgründerin Gesa Miczaika war die erste Mitarbeiterin bei Blacklane und Fabiola war lange im Private Equity-Bereich unterwegs – wir alle hatten schon Business Angel-Erfahrung.

 

Fabiola: Mittlerweile sind wir dabei angekommen, Teams mit einer zukunftsfähigen DNA zu suchen, bei denen Themen wie Diversity, Purpose, Sustainability und New Work im Kern des Unternehmens verankert sind. Wir sind überzeugt, dass Unternehmen nur so langfristig nachhaltig Erfolg haben können.

FFM-Team: Wie unsere Studie zeigt, liegt der Anteil der Startup-Gründerinnen nach wie vor bei nur 16 %. Wo seht ihr die größten Herausforderungen für Frauen im Startup-Bereich?

 

Fabiola: Aus unserer Sicht liegt die größte Herausforderung für Gründerinnen darin, dass ihre Netzwerke oft noch nicht so stark sind. Daraus können sich schnell mal Anfängerfehler ergeben – zum Beispiel bei der Auswahl der ersten Investoren oder der Unternehmensbewertung in frühen Phasen. Wir haben viele Firmen mit überzeugenden Gründerinnen und tollen Ideen gesehen, denen solche frühen Fehler dann beim Erfolg im Weg standen.

 

Bettine: Ein Punkt, über den auch mehr gesprochen werden muss, ist die fehlende Infrastruktur bei der Familiengründung. Die Gründung eines Startups und der Aufbau der Familien fallen oft in die gleiche Lebensphase. Und ohne Kitaplatz ist es dann eben kaum möglich, zu gründen. Das betrifft sowohl Mütter als auch Väter.

FFM-Team: Eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau und die Entwicklung eines Startups ist der Zugang zu Kapital: Wie bewertet ihr die Möglichkeiten für Gründerinnen, die für sie passende Finanzierung zu erhalten?

 

Fabiola: Man muss bei den Finanzierungsarten natürlich unterscheiden: VCs haben eine ganz bestimmte Investitionslogik, die auf das nächste Unicorn setzt. Gerade wenn man aber keinen VC-Case hat, stellt sich die Frage nach Alternativen. Es gibt zum Beispiel Impact-Investoren oder auch Kredite von Banken, aber für viele Gründungen passen diese beiden Optionen eben auch nicht. Bisher gibt es nur wenige Modelle, die zwischen den eher klassischen Finanzierungsformen und VCs liegen. Das zu ändern, ist eine große Herausforderung. Wir möchten das angehen.

 

Bettine: Wir möchten Gründerinnen darin unterstützen, eine Finanzierung zu finden, die auf ihre Strategie abgestimmt ist und nicht umgekehrt zunächst in Finanzierungsrunden denken. Es muss nicht immer VC sein. Bei der Gründung sollte man sich nicht vom Finanzierungsmodell, sondern von der Idee und dem Geschäftsmodell treiben lassen.

FFM-Team: Unser Female Founders Monitor zeigt auch, dass Gründerinnen häufiger Schwierigkeiten beim Zugang zu Kapitalgebern haben. Wie lässt sich das verbessern? 

 

Bettine: Unsere Erfahrung ist, dass Gründerinnen nicht so häufig von Menschen mit Gründungserfahrung umgeben sind – gerade auch außerhalb von Berlin. Hier ist man manchmal überrascht, wie wichtig auch kleinere Tipps sein können. Ich bin deswegen der Überzeugung, dass es mehr und bessere Netzwerke braucht. Gerade um Business Angels als Investoren zu finden, sind Netzwerke das A und O.

 

Fabiola: Wir haben hierfür ein Netzwerk weiblicher Business Angels gegründet – die Evangelistas. Zudem organisieren der Female Accelerator Grace und wir zusammen ein Treffen, bei dem wir versuchen, alle Akteure, die sich für Female Founder einsetzen, an einen Tisch zu bringen.