Interview #FFM19
mit Anna Alex

Gründerin und ehemalige Co-CEO von Outfittery

Anna Alex, Gründerin und ehemalige Co-CEO von Outfittery im Gespräch mit Isabelle Sonnenfeld, Leiterin von Google News Lab DACH und Gründerin von Rolemodels

 

Isa: Gründerinnen sehen sich heute leider immer noch oft mit antiquierten Rollenverständnissen und Klischees konfrontiert. Hast du das Gefühl gehabt, du musstest gegen Vorurteile ankämpfen beziehungsweise mit ihnen aufräumen in deiner Zusammenarbeit mit Investoren?


Anna:
Nein! Das Gefühl hatte ich gar nicht. Aber es gibt natürlich Geschichten dieser Art, ich habe sie selbst nur nicht erlebt. Ich glaube, Investoren verstehen genauso, dass Frauen etwas anders denken. Und die Guten können das auch wertschätzen.

Isa: Die Diskrepanz zwischen Frauen- und Männer-Teams bei externen Finanzierungen ist alarmierend. Es gibt kaum Frauen, die über 20 Millionen Euro eingesammelt haben – ihr seid sogar das einzige Gründerinnen Team in Deutschland mit einer solch hohen Finanzierung. Woran liegt das und was sind aus deiner Perspektive die größten Unterschiede, die du bei Gründerinnen und Gründern beobachtest?

 

Anna: Ich sehe das etwas differenzierter. Es ist nicht zwangsläufig schlecht, weniger Geld zu raisen. Es sagt nichts darüber aus, wie gut und erfolgreich dein Unternehmen ist, denn Erfolg wird aus Investorensicht anders als aus Unternehmersicht bemessen. Ich empfinde die kleineren Finanzierungsrunden daher gar nicht als alarmierend. Eigentlich ist es doch sogar sehr klug, mit weniger Geld mehr zu schaffen. Möglicherweise liegt die Korrelation auch gar nicht darin, dass Frauen weniger Geld raisen, vielmehr könnten Frauen auch häufiger andersartige Ideen haben, die von Beginn an weniger Geld brauchen – es also darum geht, wie man mit weniger Geld mehr aufbauen kann. Fundraising ist in der Startup-Szene ein regelrechter Wahn: Immer geht es darum, wer das meiste Geld eingesammelt hat. Das gilt als unhinterfragtes Erfolgskriterium, wahrscheinlich in Ermangelung anderer Kriterien, da es schwer ist, junge Unternehmen zu bewerten und miteinander zu vergleichen. Es gibt natürlich viele Business-Modelle, die ohne diese vielen Millionen nicht auskommen, aber ich glaube, es gibt genauso viele, die auch ohne diese hohen Geldbeträge sehr gut funktionieren.

Isa: Wieso habt ihr euch dazu entschieden, ein externes Investment anzunehmen? Wie kam es dazu?


Anna:
Mit Outfittery haben wir direkt gesehen, wie kapitalintensiv der Aufbau eines erfolgreichen E-Commerce Geschäftsmodells ist. Es muss Ware vorfinanziert werden, aber auch Kundengewinnung und Marketing benötigen Kapital. Daher haben wir uns dazu entschieden, den Schritt, einen Business Angel ins Unternehmen zu holen, komplett zu überspringen und uns sofort an institutionelle Investoren gewendet.

Isa: In welchen Bereichen siehst du für Frauen besonders großes Potenzial, sich mehr einzubringen und dort einen großen Beitrag zu leisten?

 

Anna: Im Consumer-, Internet- und E-Commerce-Bereich! Vor allem geht es in Zukunft darum, dort authentische Marken zu bauen. Das hat viel mit Emotionen und sozialem Einfühlungsvermögen zu tun. Es reicht nicht, dort ein paar hundert Millionen draufzuwerfen, damit es klappt. Es braucht liebevoll geführte und gut durchdachte Marken. Der Markt muss sich von den bisher bekannten Marketing-Kanälen unabhängig machen. Da glaube ich, können Frauen unter anderem viel Mehrwert und einen guten Beitrag leisten.